Pädagogisches Konzept
Kids on Board ist ein Teilprojekt der übergeordneten Organisation der Friedensflotte "Mirno More". Dieser Verein für sozialpädagogische Friedensprojekte, hat sich zur Aufgabe gemacht, zur Erhaltung und Verbesserung des Verständnisses zwischen verschiedenen Kulturen, Völkern und Menschen beizutragen. So stehen hinter der Hauptaktivität, der Friedensflotte zahlreiche pädagogische Überlegungen die in diesem Konzept angeführt werden.
Zielgruppe:
Aus dem ursprünglichen Ziel, Kinder und Jugendlichen aus dem ehemaligen Jugoslawien zu mehr Verständnis gegenüber anderen Ethnien zu verhelfen, ist die Idee gewachsen, verschiedenste Grenzen abzubauen. Es gibt nicht nur Grenzen zwischen Völkern und Ethnien, es gibt auch soziale Grenzen, Grenzen zwischen „nicht-behinderten“ und „behinderten“ Menschen, finanzielle Grenzen, usw.
So besteht die Zielgruppe heute nicht mehr nur aus durch den Balkankrieg betroffenen Kindern und Jungendlichen sondern aus verschiedensten Personengruppen, Menschen aus sozial schwachem Hintergrund, Menschen mit Behinderung, straffällig gewordenen Jugendlichen, aber auch Jugendlichen aus gesicherten Verhältnissen (die einen Kostenbeitrag leisten) und allen Personen, die sich für die Idee begeistern können.
Projektziele:
-
Durch erlebnisorientiertes Lernen, durch das Segeln und durch zahlreiche Aktivitäten während der Flotte können die Teilnehmer/innen ihre soziale Kompetenz unter Beweis stellen, verbessern bzw. diese erlernen.
-
Durch die intensive Beschäftigung miteinander entstehen Kontakte und Freundschaften über ethnische und soziale Grenzen hinweg.
-
Der Kontakt zu Menschen anderer Kulturen trägt zum Abbau von Berührungsängsten bei.
-
Die Teilnahme wird auch Menschen mit Behinderungen ermöglicht und bewirkt so eine bessere Integration von Menschen mit Einschränkungen.
-
Durch das Zusammenleben auf engstem Raum werden Toleranz gegenüber Anderen erlernt und gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien erprobt.
-
Durch Tätigkeiten beim Segeln und am Schiff bekommen die Teilnehmer/innen die Gelegenheit, Verantwortung gegenüber Anderen und sich selbst zu übernehmen.
Pädagogische Überlegungen und praktische Umsetzung
-
Stärkung des Verantwortungsgefühles und des Selbstwertgefühles Die Teilnehmer/innen werden bewusst für Tätigkeiten beim Segeln herangezogen. So gibt es Verantwortlichkeiten für verschiedenste Aufgaben beim Segeln und auch im täglichen Zusammenleben. Ein Koch- und Putzplan kann z.B. dazu beitragen, Verantwortung gegenüber der Gruppe zu lernen. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass die Teilnehmer/innen durch die Übernahme von Verantwortung auch eine Aufwertung ihrer selbst erfahren.
Die Tatsache, ein Segelschiff alleine zu steuern, erfüllt so manche/n Teilnehmer/in mit großem Stolz. Ziel ist es, durch gezieltes Einsetzen der Fähigkeiten der Beteiligten, diesen das Gefühl zu vermitteln, dass ihre Tätigkeiten und Fähigkeiten für die Gemeinschaft eine Bedeutung haben. Der/Die Einzelne lernt dabei, diese Verantwortung auch zu tragen.
-
Vorurteile und Berührungsängste abbauen Die Idee von Mirno More ist seit eh und je zu einem Abbau von Vorurteilen jeglicher Art beizutragen. Durch die Teilnahme von Menschen aus verschiedensten Kulturen, Ländern, Ethnien und Menschen mit Behinderung wird der Austausch über ethnische und soziale Grenzen hinweg automatisch forciert. Darüber hinaus wird durch gemeinsame Aktivitäten versucht, diesen Austausch zusätzlich zu fördern. Das gemeinsame Friedensfest, gemeinsame sportliche Aktivitäten und die Kinderolympiade seien hier nur als einige Beispiele genannt. Ziel ist es, alle Beteiligten in die Aktivitäten einzubeziehen und so den Kontakt untereinander zu forcieren.
-
Gewaltfreie Konfliktlösung Das Zusammenleben am Schiff sorgt durch die räumliche Beengtheit an Bord an sich für genügend Konfliktpotential. Hier liegt es an den Betreuern/innen, diese Konflikte sinnvoll zu nutzen und professionell zu bearbeiten. Tagesreflexionsrunden und Stimmungsbarometer haben sich z.B. bewährt, da sie nicht nur zur Selbstreflexion bei den Teilnehmern/innen beitragen sondern auch einen Perspektivenwechsel in die Rolle des/r Konfliktpartners/in ermöglichen. Bei Mirno More ist es Standard, dass pro Schiff zwei Betreuer/innen mitsegeln. Diesen kommt nicht zuletzt durch ihre Rolle als Vorbild eine besondere Aufgabe zu. Die Teilnehmer/innen erhalten die Möglichkeit, am positiven Modell zu lernen.
-
Gemeinschaftsgefühl Durch gemeinsame Symbole wie die Friedensflagge und Großgruppenaktivitäten gelingt es Mirno More für mehrere hundert Personen ein „Wir-Gefühl“ zu schaffen. So werden bewusst gemeinsame Symbole und Aktivitäten wie z.B. die Sternfahrt eingesetzt, um jedem/r einzelnen Teilnehmer/in das Gefühl zu vermitteln, ein Teil einer „großen Familie“ zu sein. Die Erfahrung in der Gruppe und als Teil eines großen Ganzen eine Bedeutung zu haben, dazu zu gehören, beschreiben alle Beteiligten immer wieder als äußerst positive Erfahrung.
Soziales Lernen
Nicht zuletzt bietet Mirno More geradezu ein Übungsfeld für Soziales Lernen. Hier liegt es wieder an den Professionisten/innen, diese Möglichkeiten gezielt zu nutzen. Die intensive Beschäftigung mit Anderen und der Gruppe bietet für die/den Einzelne/n verschiedenste Möglichkeiten sich im Umgang mit Mitmenschen zu erproben. Die bewusste Verteilung von Verantwortlichkeiten und das Gefühl eine Bedeutung für die Gruppe zu haben, verstärken dies. Segeln kann man in diesem Rahmen nur als Team und nicht als Einzelperson.
Betreuungskonzept:
Mirno More sieht vor, dass pro Schiff mindestens zwei Betreuer/innen und aus Sicherheitsgründen auch mindestens zwei Skipper/innen segeln. Dieses Konzept hat sich über die Jahre gut bewährt und trägt zu einer optimalen Betreuung und Maximierung der Sicherheit der Teilnehmer/innen bei.
Qualitätssicherung:
Die Arbeit mit Menschen und die Größe des Projekts verlangt sowohl Qualitätsüberprüfung als auch Qualitätssicherung. So gibt es neben regelmäßigen organisatorischen Vorstandssitzungen auch Fachbereichteams für Sicherheit, Nautik, Dokumentation usw. Alle an der Organisation beteiligten Personen sind in einen umfassenden Reflexionsprozess eingebunden, dessen Ergebnisse in die Arbeit des jeweils nächsten Jahres einfließen. Ein Pädagogischer Arbeitskreis trägt zusätzlich zu einer stetigen Verbesserung der pädagogischen Überlegungen bei. Durch die laufenden Qualitätsüberprüfungen in den jeweiligen Gremien werden ein reibungsloser Ablauf der Friedensflotte und die Sicherheit der Teilnehmer/innen gewährleistet.
Quelle: Mirno More, Christoph Teufl Schulpsychologe/ Klinischer und Gesundheitspsychologe
|